Burkhard Liebsch

 

Institut für Philosophie und Gesellschaftstheorie Belgrad (IFDT Belgrad), Vortragsraum im ersten Stock
(Die Vorlesung wird konsekutiv in die serbische Sprache übersetzt.)

 

Zeugnis ablegen kann nach heutigem Verständnis nur jemand für etwas vor anderen oder für jemand anderen. Es handelt sich also um ein den Zeugen, Akte der Bezeugung und das Bezeugte als solches engstens miteinander verbindendes soziales Geschehen. Im Vortragwird die Zeugenschaft des Zeugen selbst, die Performanz der Bezeugung und das Bezeugte als solches genauer ins Auge gefasst − und zwar gerade insofern sich die Zeugenschaft des Zeugen nichtin einer Zeugenaussage erschöpft. Darüber hinaus wird die Frage nach dem Zusammenhang von Zeugenschaft und politischer Welt aufgeworfen. Und zwar erstens im Ausgang vom erkenntnistheoretischen Zuschnitt moderner Philosophie (spez. mit Blick auf Descartes und Wittgenstein). Zweitens wird ein sozialphilosophischer Weltbegriff ins Spiel gebracht, demzufolge wir nicht einfach „auf“ der Welt sind oder „in“ ihr leben (und auf dieser Grundlage etwas von ihr wissen), sondern so leben, dass dabei die Lebbarkeit unseres Lebens in einer mit Anderen geteilten Welt mit auf dem Spiel steht. Daraus ergibt sich drittens die These: letzteres wird bezeugt − und zwar im Verhältnis zu Anderen, als deren Zeuge wir von Anfang an eingesetzt sind. Viertens: Das im Modus der Glaubwürdigkeit bezeugte Verhältnis zum Anderen muss erschüttert werden, um eine kritische Perspektive zu eröffnen, in der wir (fünftens) das Zeugnis in seiner historischen Dimension heute beurteilen.