Diskurstheoretische und narrative Aspekte der Frage nach Biopolitik und Institutionen

Ausgangspunkt der Konferenz werden Diskussionen um die Funktion diskurstheoretischer und narrativistischer Rekonstruktionsmethoden und die Möglichkeit ihrer Anwendung zur Erhellung biopolitischer Dispositive sein. Biomacht, verstanden als modal bestimmtes Relationengefüge mit einem spezifischen Gegenstands- und Anwendungsbereich, ist angewiesen auf ihre Repräsentation und (performative) Artikulation; sie verweist auf die (notorisch unterbestimmte) Rede vom „Diskurs“ (Diskurs als „Ort“ kommunikativer Rationalität, Diskurs als Medium der Artikulation und Ausübung von „Macht“). Komplementär zu dieser Modellierung zielen Konzepte der Narrativität auf Probleme der Grenzen der Erzählbarkeit des Lebens oder auf „existentielle Ganzheitsfragen“ ab: Sie verstehen die Form der Diskursivität nicht nur als Medium der Artikulation und Aktualisierung von Macht(effekten), sondern als Medium gelingenden Selbstbezugs. Die Erträge der bioethischen Diskussion der vorangegangenen Workshops sollen nun hier darauf überprüft werden, inwiefern sie die im Rahmen narrativistischer Konzeptionen für zentral erachteten Aspekte personaler Identität, Authentizität und Kontinuität der Selbsterzählung bedrohen, revidieren oder gar annullieren. Insofern solche „Erzählungen“ selbst nur ihm Kontext institutioneller Ermöglichung statthaben können, definieren Institutionen wesentlich auch Rahmenbedingung der Subjektivierung; insofern die Institutionen zugleich biopolitisch überdeterminiert (disponiert) sind, kommt Konzepten narrativistisch verstandener Personalität (Autonomie, Handlungsmacht) eine systematische Doppelstellung zu: Einerseits werden sie als kritisches Antidot biopolitischer Überformung verstanden, andererseits sind sie (mit Blick auf ihre institutionalisierte Gestalt) selbst nur als biopolitisch ge- oder überformt begreifbar. Die Konferenz wird diese Spannung mit Blick auf diskursanalytische Fallstudien und mit Blick auf ihre Ausprägung in der sprachphilosophischen Diskussion problematisieren. Wiederum komplementär werden narrativistische Modelle eines erzählenden Zugangs zur existentiellen Gesamtsituation des Menschen darauf zu prüfen sein, inwiefern sie einer technisch induzierten Irritation des Individuen-, körper- und personenorientierten Menschenbildes gerecht werden, oder selbst höherstufig als Ausdruck zu identifizierender biopolitischer Narrative zu begreifen sind.