Dr. des. Dennis Dierks: Erinnerungskultur in multikulturellen Räumen: Das Beispiel Bosnien-Herzegowina im 19. und 20. Jahrhundert

Erinnerungskultur in multikulturellen Räumen: Das Beispiel Bosnien-Herzegowina im 19. und 20. Jahrhundert

Monday, March 9, 11 h

Es ist inzwischen kulturwissenschaftliches Allgemeingut, dass Erinnerung ein zentraler Bestandteil individueller und kollektiver Identitätskonstruktionen ist. Dass Erinnerung dabei umstritten sein kann, lehren uns zahlreiche Beispiele aus Geschichte und Gegenwart. Die historischen Kulturwissenschaften haben sich in letzter Zeit der transnationalen Verflechtung von Erinnerung und möglichen Konflikten, die daraus erwachsen können, verstärkt zugewandt. Meist werden solche Verflechtungen auf bilateraler Ebene zwischen zwei Nationalstaaten betrachtet.

Doch was geschieht, wenn innerhalb einer Gesellschaft Erinnerung umkämpft ist, was geschieht, wenn staatliche Instanzen fehlen bzw. zu schwach sind, um solche Konflikte zu schlichten? Es ist dies eine Frage, die für moderne pluralistische Gesellschaften zentral ist.
Der Vortrag nähert sich dieser Problematik aus der Perspektive eines historischen Beispiels: Bosnien-Herzegowina als Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Im Mittelpunkt soll die Frage stehen, wie die unterschiedlichen nationalen Bewegungen in der Zeit mit der Multikulturalität des Landes und dem Vorhandensein unterschiedlicher, in ihrem Kern konfessionell geprägter Erinnerungskulturen umgingen. Besondere Aufmerksamkeit soll dabei der serbischen Nationalbewegung gelten.

Anhand dieses Beispiels soll diskutiert werden, welche methodischen Instrumentarien für die Erforschung von Erinnerungskulturen in multikulturellen Räumen nutzbar gemacht und inwieweit dadurch der Erinnerungsforschung neue Perspektiven eröffnet werden können.