Klaus Wiegerling: Grenzen und Gefahren der Institutionalisierung von Bereichsethiken

Prof. Dr. Klaus Wiegerling

Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse Karlsruhe (ITAS); Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

IFDT; 16. März 2015, um 15 Uhr

Grenzen und Gefahren der Institutionalisierung von Bereichsethiken

Die Tendenz, Ethik in vielen Anwendungsbereichen zu institutionalisieren, indem man etwa Kodizes formuliert oder Ethikbeauftragte bzw. Ethikkommissionen installiert, birgt auch Probleme, die bisher wenig erörtert wurden. So richtig es ist, einen Sinn für die Sensibilisierung von moralischen Problemen in unterschiedlichen Handlungsfeldern als auch entsprechende Handlungsstrategien zu entwickeln, so problematisch ist die Institutionalisierung, wenn sie nur zur Verrechtlichung der Problemfelder und zu einer Delegation moralischer Fragen führt. Die Institutionalisierung von Ethik liegt ‚auch‘ im allgemeinen Trend einer Instrumentalisierung der Philosophie, das heißt im Trend ihr den kritischen Impetus zu nehmen. Neben der Orientierung und Vermittlung ist aber Kritik der unersetzbare Kern der Philosophie. Philosophie ist kritisch – auch sich selbst und ihren Hervorbringungen gegenüber – oder sie ist nicht. Praktisch werden kann Philosophie nur unter der Bedingung, dass ihre prinzipiell kritische Funktion erhalten bleibt.

Biographie

Studium der Philosophie, Komparatistik und Deutsche Volkskunde an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Promotion 1983 „Husserls Begriff der Potentialität. Eine Untersuchung über Sinn und Grenze der transzendentalen Phänomenologie als universaler Methode“. Habilitation im Fach Philosophie 2001 im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der TU Kaiserslautern (Medienethik). 2009 außerplanmäßiger Professor an der TU Kaiserslautern (FB Philosophie). 2002-2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim SFB-Projekt Nexus der Universität Stuttgart (Institut für Technikphilosophie und Wissenschaftstheorie, SFB 627 Nexus – Umgebungsmodelle für mobile kontextbezogene Systeme). 2011-2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Stuttgart (Lehre). Seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS). Forschungsschwerpunkte: Philosophie des 20. und 21. Jahrhunderts, Kulturphilosophie, Medienphilosophie und Medienethik, Technikphilosophie, Phänomenologie und Symbolphilosophie.