Erörterung grundlegender Fragen zum Verhältnis von Biopolitik und Institutionen

Die Konferenz wird von der Frage nach dem machttheoretischen Unterschied zwischen der sog. souveränen Macht und der Biomacht ausgehen. Michel Foucault zufolge hat die Biomacht (“Netze”, modales Relationenmodell) einen der souveränen Macht konträren Lebensbezug, indem sie Leben begreift als etwas, was gesteigert und reguliert werden kann und soll. Das ist freilich nicht so gedacht, dass der Machtmechanismus der souveränen Macht nun völlig abgelöst wird. Er wird aber klar der Biomacht untergeordnet. Giorgio Agamben scheint hingegen in seinen Ausführungen zur Biopolitik das Modell der souveränen Macht nicht zu verlassen. Der Bezug der Macht zum Leben ist ein Bezug zum tötbaren Leben. Dass die Macht in allen ihren geschichtlichen Ausgestaltungen durch diesen Bezug zum nackten Leben bestimmt ist, stellt Agamben zufolge ein transhistorisches “Apriori” dar. Die Biomacht kommt bei Agamben nur als der souveränen Macht untergeordnete vor. Diese machttheoretischen Fragestellungen, die in transzendentaler Hinsicht auch eine Sicht auf Macht als Ermöglichungsbedingung (Hubig, Gehring) eröffnen, sollen mit handlungstheoretischen Überlegungen in Verbindung gebracht werden, in denen die institutionellen Bedingungen (transzendentalphilosophische Fragestellung) des Handelns (Bojanić) reflektiert werden. Dies insbesondere im Hinblick auf die technische Präformierung sowohl des individuellen als auch institutionellen Handelns, die die klassischen Überlegungen zur Institutionenproblematik (Hobbes, Hegel, Hauriou) und eine eher relationentheoretische Sicht auf die Frage des institutionellen Handelns (Foucault, Rouse vs. Agamben, Hardt, Negri) nahelegen. In diesem Zusammenhang ist auch der aktuelle Bezug auf die kontroverse Einschätzung der Entwicklung von amerikanischer Seite (NSF), die stärker auf die Selbstorganisationsprozesse setzt (bis hin zu transhumanistischen Utopien) sowie seitens der EU, die Direktiven der Gestaltung als unverzichtbar erachtet (“Herrschaftsparadigma”) zu behandeln.
Hiermit soll eine macht- und handlungstheoretische Grundlage geschaffen werden und zwar sowohl für die bioethische als auch für diskursanalytische bzw. narrativistische Überlegungen, die Inhalt der folgenden Konferenzen (Darmstadt, Banja Luka) im Rahmen des Projekts Biopolitische Aspekte des institutionellen Handelns (DAAD) sein sollen.

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